letzte Woche war es das schwarze Schaf, heute ist es weißer Rauch, der das Titelbild des Newsletters bildet. Pünktlich um halb zwölf haben die deutschen Bischöfe - so wie es in den Medien angekündigt war - am vergangenen Dienstag ihre Wahlunterlagen zusammengeräumt, denn der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz war gefunden - und durch geheime Wahl bestätigt.
Auch wenn in Würzburg, wo die deutschen Bischöfe diese Woche versammelt waren, kein Ofen stand, um die Wahl eines neuen "Ersten unter Gleichen" durch weißen Rauch bekannt zu machen, so war das mediale Interesse doch im Verhältnis fast so groß, wie bei der Wahl des Papstes, wo ja eben der weiße Rauch zu einem unbekannten Zeitpunkt erwartet wird, um den erfolgreichen Ausgang der Wahl azuzeigen.
Nun ist es also der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer geworden. Er gibt der deutschen Kirche nach außen hin jetzt ein Gesicht. Auch wenn die Kirche ja generell nicht "ein" Gesicht hat, sondern so viele Gesichter wie getaufte Mitglieder, ist doch die Person des Vorsitzenden der Bischofskonferenz irgendwie ein "Markenzeichen für Kirche" - nach innen und außen. Sein erster Auftritt war überraschend anders, als der letzte seines redegewandten Vorgängers, des Limburger Bischofs Georg Bätzing. Und ganz ehrlich: Ich war etwas erschrocken, als ich "den Neuen" hörte. Das klang alles so phrasenhaft heilig und richtig und kurz und bündig. Das hat sogar den vielen anwesenden Medienleuten (es sollen um die hundert gewesen sein) die Sprache verschlagen. Die wussten gar nicht richtig anzupacken mit ihren Fragen.
Nun gut, der Norddeutsche fasst sich bekanntlich kurz und "sabbelt" nicht viel, und das Statement von Heiner Wilmer war so kurz und präzise, dass man erst beim wiederholten Zuhören die Nuancen besser erkannte. Und die hatte seine kurze Ansprache auf alle Fälle. Wenn er das wirklich so hinbekommt, allein "mit dem Evangelium im Herzen", mit "dem Menschen zugewandtem Blick" und als "Pilger" unterwegs mit der Gesellschaft dieser Zeit zu sein, dann darf man auf einen kontinuierlichen Weg der guten Veränderungen im Selbstverständnis von Kirche hoffen.
Der Heilige Geist, den er immer wieder als handelnde Kraft genannt hat, wird ja auch eher darauf bedacht sein, die frohmachende Botschaft von Gott und der Welt so vielen Menschen wie nur möglich anzubieten. Diese Hoffnung teile ich.
Die Wege dahin sind so vielfältig und unterschiedlich, wie es eben die Gesichter der Kirche auch sind. Alle Frauen und Männer, die irgendwo in der Kirche Verantwortung übernehmen - sei es in den Gemeinden, ihren Räten und Einrichtungen, sei es in den offiziellen Vertretungen der Laien oder in der "Institution Kirche" - alle tun dies doch letztlich aus dem inneren Antrieb ihres Glaubens heraus, dass es gut ist, von Gott zu wissen und von ihm hören und lernen zu können. Das ist doch ein unschätzbarer Wert. Das macht das Engagement aller Menschen in der Kirche und für die Kirche doch so wertvoll. Das ist doch letztenendes auch eines unserer "Markenzeichen", oder nicht?
Lassen wir ihn mal anfangen, den Neuen an der Spitze der deutschen Bischöfe. Gleichzeitig hören wir aber nicht auf, selber auch weiterzumachen mit unserem Glauben und dem eigenen Leben als Christenmenschen - in der Gemeinschaft der Gemeinde(n) und auch ganz persönlich und privat. Da steckt viel Potential drin - auch für Überraschungen...
Zuversichtlich und weiter, immer vorwärts...
Einen gesegneten Sonntag wünsch' ich Ihnen und Euch allen!
Pastor Stefan Dumont
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