ein brisantes Gewässer ist da auf dem Bild oben abgelichtet. Qasr-al-Yahud heißt diese Stelle, und mitten durch den Fluß läuft die Staatsgrenze zwischen Israel und Jordanien. Das schlammige Wasser ist der Jordan, der hier noch einmal alles gibt, wenige Kilometer bevor er ins Tote Meer fließt und im Salzwasser jede lebenspendende Kraft verliert. Mitten in der Wüste, die rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, ermöglicht er an seinen Ufern eine schmale dichte Vegetation.
Auch wenn's nicht so einladend ausieht auf dem BIld: Das Wasser schenkt diesem Ort Leben. Als Betrachter des Bildes stehen Sie perspektivisch auf israelischem Boden und schauen hinüber auf die jordanische Seite. Nicht weit von diesem Steg befindet sich der Rest einer Kirche aus dem 4. Jahrhundert, die genau da erbaut wurde, wo die Tradition den Ort der Taufe Jesu annimmt.
An diesem Sonntag (Sonntag nach Dreikönig) feiert die Kirche das "Fest der Taufe des Herrn" und denkt dabei an die im Evangelium überlieferte Begebenheit, dass Jesus zu Johannes an den Jordan gewandert ist, um sich - so wie viele Menschen auch - taufen zu lassen.
Die Taufe damals hatte nicht die Wirkung einer Kirchenmitgliedschaft, so wie das heute bei uns der Fall ist. Vielmehr war die Taufe ein inneres und zugleich öffentliches Bekenntnis zu einem neuen, Gott zugewandten Leben. Ein guter Vorsatz zu einem besseren Leben. Und der brauchte aber auch eine Aktion, einen sichtbaren Schritt.
Wir kennen das heute auch. Zu Beginn des Jahres haben wir immer jede Menge guter Vorsätze. Manche von ihnen brauchen aber einen sichtbaren oder spürbaren "ersten Schritt". Das ist oftmals die Stunde der Fitness-Studios, die (so hab ich's letzte Woche in der Zeitung gelesen) in diesen ersten Wochen des Jahres die Konsequenzen guter Neujahrsvorsätze mit erhöhten Anmeldezahlen erwarten. Sei's drum. Auch das kann ein erster Schritt sein, das Leben zu verändern und an sich zu arbeiten.
Für die Menschen damals zur Zeit Jesu war es wichtig, ihren Geist, ihre Gesinnung, ihre innere Kraftquelle in Ordnung zu bringen. Da war die religiöse Ausrichtung wichtig und ein Neuanfang keine Privatangelegenheit. Prophetische Gestalten, so wie den Täufer Johannes, gab es zahlreich. Das Spektrum an religiösem Angebot war mindestens so reichhaltig, wie heute auch. Dass auch aus Jerusalem viele Menschen zwei oder drei Tage lang den Fußweg auf sich nahmen, um den Johannes da im Jordan zu hören und mit ihrer Taufe einen Neuanfang für ein auf Gott ausgerichtetes Leben zu wagen, das zeigt, dass Johannes schon zu den wirklich gefragten und verheißungsvollen Predigern seiner Zeit gehörte. Es bedurfte einiger Mühe, dorthin an den Jordan zu kommen. Da war eine echte innere Bereitschaft notwendig, sich auf den Weg zu machen.
Als der junge Handwerker Jesus aus Nazareth am Jordan auftaucht und sich in die Reihe stellt, bekommt die Taufe eine neue Bedeutung. Johannes geht zwar seinem Dienst nach, taucht ihn unter und holt ihn wieder aus dem Wasser hoch, aber er merkt, dass eigentlich ganz jemand anderes hier am Werk ist: Gott selbst erfüllt diese Handlung mit seinem Geist. Aus dem, was bisher nur zeichenhaftes Symbol für den Neuanfang war, ist bei Jesus eine "Ausrüstung" mit dem Heiligen Geist geworden. Gott bestätigt diesen Mann als den Messias, auf den sie alle doch schon seit Generationen warten, und er rüstet ihn aus mit dem Beistand des Heiligen Geistes - also mit allem, was er eigentlich braucht fürs Leben.
Wenn wir als Kirche heute Kinder taufen (oder auch Erwachsene, das kommt auch schonmal vor), dann ist das eben auch mehr, als nur ein Symbol, oder eine Vereinsaufnahme oder ein "Welcome in der Welt". Wer getauft wird, dem schenkt Gott mit seinem Heiligen Geist alle Gaben, die ein Mensch zum Leben braucht. "Leben" (im aktiven Sinne) muss der Mensch dann allerdings schon selbst.
Mut, Sinn, Perspektive, Hoffnung und Zuversicht - all das sind gute Gaben Gottes für unser Leben. Sie bleiben an uns haften, auch wenn sie uns manchmal verloren zu gehen scheinen. Wenn wir sie - mit Gottes Hilfe - suchen, werden wir sie auch wieder finden. Da läßt er uns nicht hängen...
Da kann das Wasser des Jordan noch so trüb sein: in der Taufe steckt Lebenskraft.
Es tut gut, sich selbst immer mal wieder daran zu erinnern, was unsere Eltern uns mit der Taufe in der Kirche für ein großartiges Geschenk gemacht haben... Vielleicht schon beim nächsten Kirchenbesuch (am Sonntag), wenn wir mit dem Weihwasser am Eingang der Kirche das Krezzeichen machen.
Also, schönen Sonntag zusammen!
Ihr/Euer Pastor
Stefan Dumont |