mit diesem Pilz-Bild grüße ich Sie herzlich zum bevorstehenden Oktober-Sonntag. Wir merken, dass der Herbst Einzug hält. Die Natur stellt sich um. Das Foto habe ich im letzten Jahr gemacht, als wir die Weihnachtsbäume für die Kirche ausgesucht haben. Unter den Tannen standen Fliegenpilz und Steinpilz nebeneinander. So hatte ich das vorher noch nie gesehen...
Der Fliegenpilz sticht natürlich sofort ins Auge. Seine Form und Farbe sind verlockend. Dennoch ist er mächtig giftig. Sinnbildlich lässt er sich verbinden mit Sehnsucht, Rausch, Versuchung, Grenzerfahrung und dem Geheimnisvollen.
Daneben ist der Steinpilz direkt schlicht und erdig, bodenständig und unaufdringlich. Er ist ein sehr geschätzter Speisepilz und steht in einer engen Lebensgemeinschaft mit den Bäumen. Symbolisch lässt er sich deuten als Zeichen für Lebenskraft, Verwurzelung, Vertrauen und Reife.
Schauen wir in unsere Welt, dann erkennen wir, dass bunte Verführung und giftige Verlockung ganz dicht neben dem vorkommt, was uns wirklich nährt und erhält. Das Unscheinbare ist meistens nachhaltiger, aber weniger verlockend - bodenständig eben.
Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich manche Parallelen zum konkreten Leben. Sie auch?
Der Herbst ist - so empfinde ich es - eine schöne Zeit, sich mal mit dem eigenen Leben zu beschäftigen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Schöpfung es fertig bringt, dass beispielsweise alles Laub, was jetzt vergeht und abfällt, immernoch in schönsten Farben leuchtet. Das sagt mir: Nichts ist umsonst gewesen in diesem Jahr. Alles hat in Gottes Augen einen Sinn gehabt - auch das, was ich jetzt gerne ablegen möchte...
Vielleicht ist das ein Grund, warum Fliegenpilz und Steinpilz in der freien Natur auch ganz eng nebeneinander stehen dürfen,
meint Ihr Pastor
Pastor Stefan Dumont