wenn's christlich wird, oder sogar kirchlich, dann ist man schnell relativ allein. Ein schwarzes Schaf unter all den vielen weißen Schafen, die davon nichts (mehr) wissen wollen. Da hat sich gesellschaftlich ganz schön was verschoben und gedreht.
Nicht, dass all die weißen Schafe nicht wüssten, was Christsein bedeutet und was Kirche ist. Aber dass Christenmenschen auch in unseren Tagen nicht wirklich für sich alleine Christ sein können, sondern dafür die Gemeinschaft Gleichgesinnter brauchen, das wollen viele nicht mehr wahrhaben. Sie wollen alleine "glauben" und mit Kirche nichts (mehr) zu tun haben.
Ja, das hat Gründe, dass es so ist. Und die sind auch alle gar nicht unbegründet. Im Gegenteil. Das wissen wir, und es steht auch außer Frage, dass Kirche da selbst dran Schuld ist. Aber durch den Trend zur Vereinzelung der Glaubenden und zur Privatisierung des Glaubens wird die Gemeinschaft der Glaubenden eben immer kleiner. Und so kommt es eben vor, dass kaum noch jemand die Gelegenheit nutzt, sich in der Glaubensgemeinschaft - und von "Gottes Dienst" an ihr - im eigenen Glauben stärken zu lassen. "Einfach nur so". Der Mehrwert der Gemeinschaft ist keiner mehr.
Und jetzt stellen sie sich vor, dass da einer aus dem Umfeld der "Performer", der "in den Medien" zuhause ist und für eine linksliberale große Tageszeitung schreibt, eben dort einen Artikel veröffentlicht, in dem er beschreibt, wie er sich fühlt als Mensch, dem das Christsein und seine Beziehung zur "Glaubensgemeinschaft Kirche" wichtig ist. Er ahnt, dass sein Essay sicher verrissen wird, vor allem in den sozialen Medien. Er rechnet mit einem Mega-Shitstorm, weil "die Kirche" für ihn einfach Ort und Gemeinschaft seines Glaubens ist.
Reaktionen kommen reichlich auf den Artikel, der am 30. März 2023 im Magazin der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel "Unter Heiden" erschienen ist. Jede Menge E-Mails fluten sein Postfach. Geschrieben von Menschen, denen es ähnlich oder genauso geht. Aber kein Verriss, sondern eher der Dank, dass jemand mal auch diese Seite des Christseins in diesen Jahren beschreibt. Und dann schicken sie ihm jede Menge Erzählungen von "Überlebenstrategien", die andere Durchschnittschristen entwickelt haben, um ihren Platz im Glauben und in der Kirche zu entdecken, zu finden oder zu behalten.
Aus dem Artikel wurde ein Buch, das auf der Bestsellerliste des Spiegel geführt wird und im Umfeld gemeindeengagierter wie auch gemeindeferner Menschen oft gelesen und diskutiert wurde. Denn die Erfahrung beschäftigt alle: Früher war es selbstverständlich, heute muss man sich rechtfertigen, wenn man im 21. Jahrhundert noch an Gott glaubt.
Habe ich Sie neugierig gemacht? Kennen Sie auch diese Gespräche beim Mittagstisch, wenn sonntags die Familie da ist und man irgendwie auf das Thema kommt?
Wir laden Sie ein, diesen Journalisten kennen zu lernen. Er heißt Tobias Haberl, lebt in München und ist derzeit ein gefragter Gesprächspartner - und gerne bereit, seine Gedanken und das Buch vorzustellen, damit wir in der Sache miteinander ins Gespräch kommen können. "Er" aus München "mit uns" hier am MIttelrhein.
Im Rahmen der Josefswoche, die wir in diesem Jahr zum zweiten Mal quer durch die Orte der Pfarrei gestalten, wird er unser Gast sein. Am Josefstag selbst, am 19. März 2026, wollen wir ihm zuhören, und er steht uns Rede und Antwort. Die Veranstaltung findet um 19:30 Uhr im Alten Bahnhof in Bad Salzig statt.
Mal sehen, ob wir das Bild mit den Schafen ein bißchen aufmischen und bunt machen können...
Also: Save the Date! Es sind zwar noch 4 Wochen, aber den Abend sollten Sie sich frühzeitig von anderen Terminen freihalten.
Ich wünsche Ihnen und Euch den Segen der Fastenzeit, die wir am Mittwoch begonnen haben, und dass in diesen Wochen unser Glauben und Leben - wie auch immer, weiß Gott - gestärkt werden.
Pastor Stefan Dumont |