bevor wir am Sonntag wieder zu Hause sind, grüßen Pastor Ludwig und ich Sie heute ganz herzlich aus Assisi, der Stadt des Heiligen Franziskus. Im Oktober jährt sich zum 800. Mal der Todestag dieses großen Heiligen, der ja physisch ein kleiner Mann war, aber der in der Kirche große Spuren hinterlassen hat. Das war für den Bischof in Trier ein Grund, die Priester zu einer Wallfahrt zu den Lebensorten des Heiligen einzuladen. Insgesamt sind wir eine Gruppe von 24 Priestern, die in diesen Tagen intensiv den Stationen des Lebens des Heiligen Franziskus auf der Spur sind, wie man auf dem Bild oben ganz praktisch sieht.
Die meisten von ihnen sind als Pfarrer und Kooperatoren in der ganz konkreten Pfarrseelsorge tätig. Die Themen, die sie beschäftigen, sind recht ähnlich. Ob in der Eifel, dem Hunsrück, ob in Trier, im Saarland oder eben auch in Boppard - wir alle spüren die Veränderungen von Kirche nicht nur in den Formen und Strukturen, sondern auch in den Menschen, die sie ausmachen. Alles unterliegt einer Veränderung, die abläuft, ohne dass es in unserer Verfügung steht, diesen Prozess zu stoppen, oder sogar rückgängig zu machen. Mich persönlich beschäftigt im Moment zum Beispiel sehr die immernoch hohe Zahl der Kirchenaustritte - auch bei uns in der Mittelrheinpfarrei. Manchmal gibt es ja geradezu Austritts-Wellen, meistens dann wenn irgendein Ereignis (wie z.B. vor 2 Jahren die Ankündigung, den Marienberg zu schließen) eine große allgemeine Empörung hervorruft. Aber da nehme ich im Moment nichts wahr und sehe doch, dass wir im laufenden Jahr schon über 50 Kirchenmitglieder verloren haben. Und das geht den anderen Pastören offensichtlich auch so...
Von Franziskus lernen wir, dass solche Veränderungen gar nicht nur schlecht sein müssen, wenn sie uns denn dem Kern des Glaubens näher bringen. Er mahnt uns, die Dinge nicht bloß in der Annahme zu erleiden, dass irgendwann wieder alles besser werde. Nein: Er fordert uns auf, die konkreten Entwicklungen, die uns beschäftigen und auf Trab halten, als Herausforderungen anzunehmen, die jetzt gestaltet werden sollen. Also, nicht warten, bis dass irgendwas besser wird. Die Aufgaben der Gegenwart nutzen!
Das heißt ja nicht, dass wir alle jetzt ein Franziskus werden müssen. Sie nicht, und ich auch nicht. Trotzdem aber sollten wir die Gestaltung dieser Zeit, und die Pfade, die damit für die Zukunft bereitet werden, nicht bloß anderen überlassen, sondern selbst tätig werden. Uns nicht raushalten, wenn in Kirche und Gesellschaft Meinung und Position gefragt ist. Ich denke da durchaus auch an politische Mitgestaltung und Positionen. Unsere Gesellschaft ist so vielfältig und plural geworden, dass wir als Kirche auch gar nicht mehr "Gefälliges" für jeden anzubieten haben. Das war vor 2 Generationen noch anders...
Franz von Assisi hat polarisiert, hat sein Verständnis der Christusnachfolge und Gottesbeziehung zu seiner Lebensform gemacht und damit viele Gleichgesinnte angesprochen. Aber er hat seine Lebensform und -art nicht zum Maß aller Dinge gemacht. Da durfte es auch jede Menge anderer Formen des Christseins geben. Er ist aber auch nicht in die Opposition und Abgrenzung zur Kirche gegangen. Er wollte immer, dass sein Orden Teil der konkreten Kirche ist, um in ihr gleichzeitig auch ein Stachel im Fleisch der Selbstgenügsamkeit zu sein.
Aus heutiger Sicht darf man sagen: Gut, dass es den Franziskus gab - und gibt. Seine Ansichten und seine Spiritualität tragen bis heute zur vielfältigen Gestalt der Kirche bei. Und wir in der Mittelrheinpfarrei sind da auch nur ein kleines Rädchen - aber, so wie alle anderen auch - ein Rädchen auf dass Gott nicht verzichten mag. Da bin ich ganz sicher...
Mit diesen Eindrücken grüße ich Sie und Euch ganz herzlich und freue mich schon auf den Sonntag zu Hause, wenn wir als Kirche dann 35 jungen Menschen in Sakrament der Firmung Zuspruch und Segen schenken können.
Ihr/Euer Pastor
Stefan Dumont
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