ein herzlicher Gruß Ihnen und Euch allen zum Sonntag. Für uns Christen ist es der vierte Sonntag in der Osterzeit, für weitere 9 Kinder ist es der Sonntag ihrer Erstkommunion, den wir diesmal in der Basilika feiern, und für die Bopparder und tausende Gäste ist es der Sonntag des Weinfrühlings im Hamm.
"Wir" schieben uns aber am heutigen Freitag einfach noch davor und feiern im Hamm einen besonderen Gottesdienst: die Rebblütenmesse. Sie findet jetzt zum dritten Mal statt, und erhält damit traditionell den Status einer "Tradition". Die nächste Steigerungsform wäre dann das Dictum: "War schon immer so!" Selbstverständlich beten wir zwischen den gerade austreibenden Rebstöcken auch für ein gutes Gelingen des Weinfrühlings. Das macht nicht zuletzt deshalb Sinn, als dass mit der nächsten Auflage des Weinfrühlings im kommenden Jahr sicher auch wieder eine neue Rebblütenmesse verbunden sein wird. Also, am besten kommen Sie heute nachmittag und am Sonntag in den Hamm!
Das Bild, das ich oben als "Aufmacher" eingesetzt habe, hat nichts mit dem Weinfrühling zu tun. Und doch ist es ein Bild, das in den letzten Tagen oft so oder ähnlich für Schlagzeilen sorgt. Der Papst gab in den letzten 11 Tagen recht viele Pressekonferenzen in der Luft ab. Die vielen Flüge während seiner Afrikareise nutzten die mitfliegenden Journalisten, um ihn zu allen möglichen Dingen zu befragen. Das ist, so sagen Insider, immer eine besondere Möglichkeit, ein Meinungsbild des Papstes und der Kirche zu bekommen.
Papst Johannes Paul II. war ja der erste große Reisepapst. Er hat das Modell "fliegende Pressekonferenz" erfunden und damit viele Medien eingeladen, die Papstreise zu begleiten. Somit sicherte er sich die Berichterstattung, und der Flieger war einfach voll. Die Tickets fürs Fliegen zahlen übrigens die Redaktionen. Eine Win-Win-Situation für alle...
Die klaren Worte des Papstes als Aufruf zum Frieden, die Nennung von "wenigen Tyrannen" und sein deutlicher Appell gegen die Kriegstreiberei der letzten Wochen und Monate haben ihr Ziel nicht verfehlt. Der amerikanische Präsident hat reagiert - und sich damit selbst ins Abseits gekickt. Journalisten haben den Papst dann mit den plumpen Trump-Zitaten und seiner religiös aufgeladenen Selbstinszenierung bei einem Flug zu der viel beachteten Reaktion gebracht: "Ich fürchte die amerikanische Regierung nicht". Warum auch? Ist nicht seine Botschaft die konkret in dieser Zeit angewandte Botschaft Jesu?
Mittlerweile hat sich der Meinungsaustausch wieder etwas beruhigt. Das ist auch gut so, denn es geht dem Papst nicht um eine persönliche Auseinandersetzung mit Donald Trump, sondern um das Brandmarken der Tyrannei einzelner politischer Selbstdarsteller. Und die gibt es auch in Russland, in Israel, in Nordkorea - und eben auch in Afrika. Letzteren hat der Papst übrigens auf seiner Reise direkt gegenübergestanden, und er hat sie deutlich zum Frieden und zur Menschlichkeit gemahnt. Das allerdings hat für die Weltpresse leider nicht den gleichen Informations- und Unterhaltungswert, wie eine kurze Reaktion des Papstes auf Donald Trumps Anspruch, jetzt auch ärztlicher Messias für sein Volk zu sein.
Warum ist das alles interessant, mal so benannt zu werden? Weil sich hier zeigt, wie relevant ein Wort der christlichen Kirche sein kann, wenn es aus dem Munde des Papstes kommt, der keine Armeen und Divisionen hat, um auch in den Krieg zu ziehen, falls das Wort nicht auf fruchtbaren Boden fällt. Er hat nur seine Stimme, die er der Botschaft Jesu gibt. Diese Stimme ist aber deshalb stark, weil sie im konkreten Fall stellvertretend für Millionen von Katholiken in den USA steht, die sich ja bemerkenswert schnell hinter den Papst gestellt haben.
Der Papst wird einerseits seinem Auftrag gerecht, die Stimme im Sinne Jesu zu erheben und er nutzt seine Stellung als "Diener der Einheit" an der ganzen Kirche, um dieser Kirche auch eine Autorität zu geben, so auftreten zu können. Seine politische "Hausmacht" ist der kleine, politisch neutrale Vatikanstaat, dem er vorsteht und der ihm so auch eine weltpolitisch anerkannte Rolle als Staatschef ermöglicht. Meines Wissens ist es beim Dalai Lama recht ähnlich. Er ist ja auch der eigentliche Souverän des ehemaligen Staates Tibet, den China anektiert und zum autonomen Gebiet degradiert hat. Tritt er irgendwo auf, kommt nicht nur der oberste buddhistische Priester, sondern eben auch das Oberhaupt des tibetischen Volkes. Das schafft Relevanz...
Aus dieser besonderen Position heraus kann der Papst so ernsthaft zum Frieden mahnen, ohne dass es an einem amerikanischen Präsidenten vorbeigeht. Und der fühlt sich voll getroffen - so stark, dass er über die Medien antwortet, und so "ertappt", dass er dabei sogar den guten diplomatischen Stil verliert.
Also, am Ende bleibt für uns die Erkenntnis, dass selbst für uns rational und klug denkende Europäer das mittelalterlich scheinende Konstrukt eines Kirchenstaates - und sei er noch so klein - nicht wirklich überholt ist. Was die italienischen und päpstlichen Diplomaten 1929 in den römischen Lateranverträgen mit der Souveränität des Staates der Vatikanstadt (44ha, 880 Einwohner) zugrunde gelegt haben, ermöglicht dem Papst im aktuellen Friedensappell größtmögliche respektierte Aufmerksamkeit, auch wenn er wieder mal hoch oben in der Luft unterwegs ist... im Auftrag des Herrn.
Ihnen und Euch allen einen gesegneten Sonntag!
Pastor Stefan Dumont
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