ich grüße Sie herzlich in diesen heißen Tagen, in denen ich auch dafür dankbar bin, dass sich unsere alten Kirchen noch etwas von der Kühle bewahrt haben. Da kann man's aushalten...
In der Mitte des Jahres, am 29. Juni, feiert die Kirche jedes Jahr das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus. Für uns in Boppard ist das immer auch ein Tag, an dem aus der Basilikagemeinde heraus der Blick nach Rom geht: auf Petrus, den Felsen der Kirche, mit dem uns dieser Ehrentitel verbindet - und natürlich auf den Papst, der heute in der Nachfolge des Petrus steht.
Ich bin in den letzten Monaten immer wieder mal gefragt worden, ob ich als Pastor denn mit dem neuen Chef in Rom "zufrieden" sei. Zwischen den Zeilen klang da immer auch so ein bißchen Ernüchterung mit, im Hinblick auf: "Er ist ja ganz nett, aber er macht ja nichts..."
Ich persönlich nehme das anders wahr, aber das kann eben damit zu tun haben, dass ich natürlich jeden Tag mal kurz auf kirchlichen Internetseiten unterwegs bin und schaue, was es bei Papst und Kirche Neues gibt. Das macht nicht jeder und jede. und so stellt sich - im Hinblick auf den "Normalchristen" - schon die Frage: Wie wird Papst Leo XIV. eigentlich bei uns wahrgenommen?
Nun, er ist nicht ständig laut in den Schlagzeilen. Aber gerade darin liegt für mich etwas Bemerkenswertes: Er ist präsent, ohne sich aufzudrängen. Er spricht ruhig, aber klar. Und er zeigt eine Kirche, die nicht aus der Zeit gefallen ist, sondern mitten in dieser Welt ihren Platz sucht und findet. Dass es diesen Platz gibt, zeigt nicht zuletzt auch das kurze verbale Scharmützel von Donald Trump, der sich durch ein paar standhafte Worte des Papstes echt herausgefordert sah.
Papst Leo legt in seinen Besuchen, Reisen, Auftritten, Anlässen schon ein beachtliches Tempo vor. Längere und kürzere Pastoralbesuche in Italien und im angrenzenden Mittelmeerraum stehen fast jedes Wochenende auf dem Programm. Und er findet sein Publikum, zu Tausenden und Hunderttausenden. Besonders beeindruckt haben mich zuletzt die Bilder von Papst Leos Spanienreise vor 2 Wochen. Ein Land, das wie viele Länder Europas mittlerweile so stark säkularisiert ist- und doch kamen unzählige Menschen zusammen, viele von ihnen jung, offen, berührt.
Was zieht sie an? Vermutlich nicht kirchlicher Glanz allein, sondern die Erfahrung: Da spricht jemand vom Evangelium in einer Sprache, die nicht belehrt, sondern einlädt. Da wird Glaube sichtbar als Hoffnung, als Friedensbotschaft, als Einsatz für Menschenwürde und Zusammenhalt.
Ich glaube, Papst Leo gibt der Kirche gerade "ein neues Standing" im Fluss unserer gegenwärtigen Zeit. Das ist spürbar, auch in der medialen Berichterstattung. Nicht durch Machtgesten, nicht durch Nostalgie, sondern durch Glaubwürdigkeit. Er zeigt: Die Kirche muss nicht laut sein, um gehört zu werden. Aber sie muss klar sein, menschlich und nahe bei den Fragen der Menschen.
Nun richtet sich der Blick bald nach Frankreich. Im September wird es einen Papstbesuch bei unseren Nachbarn geben. Da ist kirchlich ganz viel im Umbruch. Die französische Kirche verzeichnet so viele Erwachsenentaufen - und weiß nicht warum. Sie sind jedenfalls nicht das Ergebnis einer teuren pastoralen Kampagne...
Vielleicht kommt irgendwann auch Deutschland wieder mal an die Reihe der Papstreisen - ich würde es mir und der deutschen Kirche wünschen.
Bis dahin bleibt für uns aber eine einfache Frage: Nehmen wir eigentlich wahr, wo Gott auch heute Menschen bewegt? Bei uns? Und trauen wir der Kirche noch zu, dass sie als Ganze in dieser Welt etwas Wichtiges zu sagen hat?
Das Fest der beiden Apostel Peter und Paul erinnert uns daran: Kirche lebt von Menschen, die sich senden lassen. Menschen, denen Gott zutraut, loszuziehen und Menschen für Gott zu interessieren, zu begeistern und zu sammeln. Damals wie heute. Vielleicht ist genau das die Einladung dieser Tage: nicht nur auf Rom zu schauen, sondern selbst neu zu fragen, wie das Evangelium durch uns sichtbar werden kann. Hier in der Mittelrheinpfarrei, und einfach nur da, wo Sie oder ich gerade stehen...
Eine gute erste Ferienwoche wünsche ich - und einen schönen Urlaub allen, die sich jetzt auf den Weg in die Ferien machen.
Ihr/Euer Pastor Stefan Dumont |