so wie auf dem Bild oben kann man sich den Palmsonntag zur Zeit Jesu gut vorstellen. Es wude vor ein paar Jahren in Jerusalem fotografiert und zeigt einen Ausschnitt der vielen hundert Menschen, die mit großen Palmen - singend, betend und tanzend - den Ölberg hinabgelaufen sind, um durch dieses eine Tor in der Stadtmauer in die Heilige Stadt einzuziehen. Man nennt es das Löwentor, oder auch das Stephanstor - denn die Tradition erzählt, dass der Diakon Stephanus vor diesem Stadttor von den Leuten gesteinigt wurde. Wenn man der Gasse hinter dem Tor folgt, erreicht man die "Via Dolorosa". Auch hier gibt's eine Geschichte zu: Es soll der Weg sein, den Jesus am Karfreitag dann von Pilatus bis zum Kreuz gegangen ist. So wirklich historisch ist das sicher nicht ganz richtig, aber fast...
Für uns Menschen ist es ja immer wichtig, uns ein Bild zu machen und uns die Dinge irgendwie vorstellen zu können, damit wir sie auch mit dem Herzen erfassen.
Das ist auch der Grund, warum wir alles, was in den Tagen zwischen dem Einzug Jesu in Jerusalem, also dem Palmsonntag, und dem Osterfest geschehen ist, in besonderer Weise begehen und anschaulich feiern. Es reicht eben nicht, nur vorzulesen, was passiert ist damals - es braucht auch augenscheinlich eine Darstellung und irgendwie auch ein Mitvollziehen dessen, was dem Gottessohn damals alles passiert ist. Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag - und alles mündet dann ins Fest der Auferstehung am Ostersonntag. Was für eine Woche liegt davor uns, mit all den Liturgien und Feiern, die wir gestalten...?
Es ist die "Heilige Woche", die "Hohe Woche" oder einfach nur die "Kar-Woche". Übersetzt würde dies heißen: die Trauerwoche. Zurecht, denn nach dem triumphalen Einzug des Messias auf einem Esel am Palmsonntag ist der Rest der Woche von Abschied, unendlich viel Leid, Verrat, Enttäuschung, Gewalt und Tod geprägt - und einer Beerdigung. Nach menschlichem Ermessen ist das ja wirklich das Finale. Ende, aus und vorbei. Da kommt nichts mehr...
Wir glaubende Menschen, wir Christen wissen es bsser. Und wir glauben das: Das Beste kommt noch...
Weil das keine billige Vertröstung ist, sondern eine 2000 Jahre alte Erfahrung von Menschen, werden die Geschehnisse dieser Woche bis heute weitergegeben und erzählt. Manchmal eben recht sinnlich und augenscheinlich. Fast wie ein Schauspiel. Und alles gehört zusammen.
Ostern geht nicht ohne den Karfreitag, obwohl die Stimmungslage der Liturgie dieses Tages keine gute ist. Jesu Worte und Gesten des Abendmahles machten es doch erst möglich, dass die beiden verzweifelten und "blinden" Emmaus-Jünger am Abend des Ostertages den auferstandenen Jesus wirklich in dem Moment erkannt haben, als er für sie das Brot brach.
In Jerusalem wird es in diesem Jahr keine Prozession geben am Palmsonntag. Und auch die anderen Osterfeierlichkeiten am Ort des Geschehens werden auf einen ganz kleinen Kreis einheimischer Christen beschränkt sein. Es ist Krieg im Heiligen Land. Die Botschaft von der Auferstehung, die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, und die Zuversicht auf einen Frieden im Nahen Osten hat es unheimlich schwer dort.
Die wenigen Christen vor Ort zu unterstützen, ihre Bemühungen um Menschlichkeit und Frieden für alle weiterhin zu fördern - das ist möglich durch die Kollekte, die wir in Deutschland am Palmsonntag von den Christen hier bei uns erbitten. Was Sie am Sonntag in den Klingelbeutel werfen, kommt den christlichen Organisationen im Heiligen Land zugute, die dort sowohl für Christen, als auch im Sinne überkonfessioneller Caritas und Barmherzigkeit arbeiten. Allen voran der "Deutsche Verein vom Heiligen Land", der vor Ort Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe unterhält, Behinderten- und Seniorenhäuser, sowie Klöster und Pilgerhäuser, in denen Gäste von aussen die Orte der Heiligen Schrift besuchen und nachvollziehen können - und damit den einheimischen Chisten wieder Lohn und Brot ermöglichen.
Gerade jetzt brauchen sie alle wieder unsere Hilfe, damit die Hoffnung vor Ort wieder wächst. Schon jetzt herzlichen Dank für jede Gabe am kommenden Sonntag.
Dass wir hier bei uns in unseren Kirchen der Mittelrheinpfarrei auch sinnig, augenscheinlich und von ganzem Herzen Ostern feiern können, dass wir in der Karwoche wirklich auch innerlich auf das Fest der Feste zugehen können, und dass wir am kommenden Sonntag auch für uns viel Hoffnung und Zuversicht schöpfen aus der Erkenntnis, dass dem menschengemachten Tod bei Gott immer noch das Leben folgt, dass wäre einer meiner Wünsche für Sie in dieser Karwoche, die vor uns liegt.
Feiern Sie sie mit, wenn's irgendwie geht. Es möge uns gut tun.
Eine gesegnte Woche wünscht Euch und Ihnen
Pastor Stefan Dumont
|