Ja, der Mai ist gekommen. Die Freiluftsaison hat endgültig begonnen, auch bei uns. Vergangene Woche schon mit der großen Rebblütenmesse im Hamm. Und jetzt, am 1. Mai, startet sie schon traditionell mit der Wallfahrt nach Windhausen, wo eine Figur der "schwarzen Muttergottes" steht, die uns Christenmenschen die Mutter Jesu in besonderer Weise vor Augen stellt.
Ich weiß nicht, ob jene Maria aus Nazareth wirklich so einverstanden ist mit den Bildern, die man in den Jahrhunderten von ihr gezeichnet oder als Skuptur gestaltet hat. Da gibt's ja ganz unterschiedliche Versionen. Zum Beispiel die lebensnahen Bilder einer Frau mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Da braucht man nichts zu erklären und zu interpretieren. Das ist so gewesen und wurde weiterzählt. Künstler aller Jahrhunderte haben versucht, diesen Moment in Form und Farbe festzuhalten.
"Unsere" Schwarze Muttergottes in Windhausen ist da schon etwas anderes. Das Motiv der gekrönten Gottesmutter mit Kind in wallendem Gewand, und mit dem Fuß auf dem Kopf des Drachen kommt im letzten Buch der Bibel vor. In einer Vision "sieht" der Autor der Apokalypse eine himmlische Frau und deutet sie als himmlische Mutter, die, von Gott erhoben und gekrönt, dem Bösen in die Parade fährt.
Historisch ist das nicht zu fassen, eher spirituell, geistlich. Da hat einer seine Sicht der Dinge aufgeschrieben (das letzte Buch in der Sammlung der Bibel heißt "Offenbarung des Johannes") - und hat damit Menschen durch alle Jahrhunderte hindurch ein Bild der Hoffnung auf Gerechtigkeit geschenkt. Ein Bild, das dieselbe Mutter zeigt wie die vom Karfreitag, aber die in der Vollendung und in der Ewigkeit - mit Gottes Hilfe - dem Unheil die Stirn bietet.
So eine Darstellung ist auch unsere Windhausener Muttergottes. Dass sie schwarz ist, hat nichts mit Kerzenruß zu tun, denn wir brennen auch dort in der Kapelle "schon ewig" umweltfreundliche Kerzen ab. Aber es gab eine Zeit, da schrieb man schwarzen Marienbildern besondere Kräfte zu. Prominente "Kolleginnen" sind z.B. die schwarze Muttergottes von Altötting, in Einsiedeln oder in Tschenstochau. In dieser Reihe steht nun auch die Windhausener Muttergottes. Sie ist ein Bild, eine Ikone dafür, dass menschliche Sehnsucht nach Heilung eine Adresse hat.
So viele Generationen schon kommen Menschen hierher und beten vor dem Bild der schwarzen Muttergottes. Sie beten das Bild nicht an, das wäre magisch. Aber sie erkennen im Bild dieser Figur die Mutter Jesu, die auf ihre Weise als Mutter eben auch alle Sorgen des Menschen gekannt hat, die man sich vorstellen kann. Mit viel Gottvertrauen hat sie ge- und ertragen, was das Leben ihr zugemutet hat. Deshalb hat Gott sie in besonderer Weise ausgezeichnet und wertgeschätzt.
Sie ist sowas wie eine Gewährsfrau dafür, dass mein kleines oder schweres Anliegen aber bei Gott "ankommt". Dafür stelle ich eine Kerze auf, bringe mich durch ein kleines Gebet selbst in eine "Position der Vertrauens in den Himmel" und gebe ein bißchen was von der Last ab, die mich beschäftigt und drückt. "Geteiltes Leid ist halbes Leid..." Das ist kein dummer Spruch, im Gegenteil. Es ist wahr - und deshalb haben Wallfahrtsorte auch in unserer rationalen und säkularen Zeit immer Konjunktur.
Wenn Sie mögen: Morgen, am 1. Mai geht's wieder los in Windhausen mit der Pilgerzeit. Um 10 Uhr feiert Pastor Göllner dort den Festgottesdienst zur Eröffnung der Wallfahrtszeit und anschließend sind alle eingeladen, noch draußen etwas zusammen zu bleiben, bevor Sie dann auf Ihre Maitour gehen.Das Bild oben ist in den letzten Jahren entstanden. Es ist immer nett und schön in Windhausen. Was jeder und jede im Rucksack hat, wird dann geteilt. Ganz unkompliziert. Denn auch geteilte Freude ist doppelte Freude...
In diesem Sinne Ihnen allen einen frohen ersten Mai und einen gesegnten ersten Maisonntag.
Ihr und Euer Pastor
Stefan Dumont
|