„Fürchte dich nicht“, sagt Jesus zu Simon Petrus, als die Netze leer sind und die Hoffnung klein. Ich sag' mir das manchmal still vor mich hin, wenn die Situation zum Davonlaufen ist, wenn wiedermal etwas nicht gelingen will, wenn man aneinander vorbei redet und nicht zum "Punkt" kommt, der einem Problem zur Lösung verhelfen kann. Manchmal ist es aber auch einfach nur die generelle Lage einer Begebenheit, die uns aus den Händen gleitet, und ich merke, dass ich die Sache nicht (mehr) in der Hand habe. Da ist es gut, mir das Wort Jesu an Petrus zu eigen zu machen, und die Netze nochmal auszuwerfen. Vielleich eben mal auf der anderen Seite...
Olympische Spiele ticken da ganz ähnlich. Alle 4 Jahre finden sie statt, bedienen die Sehnsucht nach Frieden und Völkerverständigung - doch am Ende steht wieder nichts. Wir erleben ja gerade eine Zeit, in der Kriege, Krisen und politische Machtspiele die Vision des Friedens oft geradezu karikieren. Da wird heute Abend das olympische Feuer entzündet, Reden des Friedens und der Völkerverständigung gehalten, und die olympischen Ringe vernetzen all diese guten Vorsätze und Visionen als Logo und Marke dieses Festhochamts aller Top-Sportler der Welt. Im Hintergrund aber wächst die Zahl der Krisenherde wie eine Hydra. Und die Protagonisten des Unfriedens werden auch immer mehr... und lauter.
"Fürchte dich nicht". Mit diesem biblischen Zuspruch kann Olympia 2026 in diesen Tagen wirklich ein Gegenbild sein: Menschen aus vielen Nationen begegnen einander im fairen Wettkampf, im Respekt vor Regeln, Grenzen und der Würde des Anderen. Für einen Moment wird sichtbar, was möglich ist, wenn Konkurrenz nicht zerstört, sondern verbindet. Hoffen wir, dass es so kommt.
Als Christenmenschen leben wir nicht abseits der Welt, sondern mitten in ihr. Gerade deshalb können wir solche Zeichen wahrnehmen – gleichsam als Mahnung und Zeitansage. Vielleicht ist Olympia ja wie so ein Boot des friedlichen Miteinanders, eine bunte, aber leise Prophetie des Besseren, die unbewußt, aber zeitgemäß ausdrückt, was das Evangelium sagt: Habt keine Angst, werft die Netze noch einmal aus. Frieden ist keine Illusion, sondern Gottes Verheißung – und unser gemeinsamer Auftrag. Wer sich daran freuen kann, baut schon mit an der besseren Welt.
Ich freue mich auf tolle Bilder aus den Dolomiten, auf engagierte Wettkämpfe, auf vielleicht unerwartete Siege - und darüber, dass in den Nachrichten neben den unsäglichen Machtspielen der vermeintlich Großen für 2 Wochen nun auch das friedliche Miteinander im sportlichen Wettkampf ganz oben steht.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen und Euch
Pastor Stefan Dumont |