kippt nur ein Stein, dann kommt etwas ins Rollen...
Das ist das Domino-Prinzip, und wir merken gerade wieder, wie sehr es stimmt. Nicht nur auf dem Tisch, auf dem die Domino-Steine aufgebaut sind, sondern im Geschehen der ganzen Welt in diesen Tagen. Eigentlich gibt es fast niemanden, der nicht betroffen ist von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Iran, Israel und den USA. Die Golfstaaten drumherum, tausende von Touristen, die auf Flughäfen und Kreuzfahrtschiffen festsitzen, die Wirtschaft weltweit und nicht zuletzt Sie und ich auch, wenn unser Tank im Auto leergefahren ist und wir uns abends nach Bad Salzig zur Tankstelle aufmachen - in der Hoffnung, um die späte Uhrzeit den günstigsten Sprit des Tages zu bekommen.
Das sind "unsere" Probleme hier. Die der Menschen vor Ort sind ganz andere...
Aus dem Heiligen Land höre ich dieser Tage Berichte aus Bunkern und Schutzräumen, vom Stress durchwachter Nächte und der ständigen Bereitschaft, wieder los zu müssen in Tiefgaragen oder U-Bahn-Schächte. Und im Iran, da haben sie oftmals noch nicht mal warnende Sirenen, denn es gibt ja auch keine Orte, an die man flüchten könnte, um sich vor den Bomben und Drohnen zu schützen.
Wieviele Menschenleben darf so ein Krieg kosten? Man steht ja schnell an der Schwelle zum Zynismus, wenn man sich anschaut, wie sich die Kriegsparteien gebärden, rechtfertigen und erheben - allesamt, ohne Ausnahme. Und seit die Welt vermeintlich nur noch mit dem Recht des Stärkeren funktioniert, gehört die Überheblichkeit der scheinbar Starken und das devote Gebaren der offenbar Schwächeren zum politischen Ping-Pong, das wir abends in den Nachrichten aufbereitet verfolgen können. Was ist das für eine verschobene Welt? Waren wir da im Gesamten nicht schonmal weiter?
Leider spielen Religion und Glaubensüberzeugung bei der Ursachenforschung genauso eine wichtige Rolle wie die wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Beteiligten. Wie verbohrt muss ein Regime sein, den Gottesstaat mit aller Gewalt zu rechtfertigen, und dabei die eigenen Leute in die Haftung zu nehmen? Und auch noch im 21. Jahrhundert sprechen sich Menschen gegenseitig das Existenzrecht ab, weil Glaube und Religion sie unterscheiden.
Weil es das bei uns in Europa früher auch mal gab, haben wir keinen Grund zur Überheblichkeit in der Bewertung dieser Situation, aber wir haben in dieser Beziehung schon aus der Geschichte gelernt.
Wenn Sie am Sonntag im Gottesdienst das Evangelium hören, dann führt es Sie in Gedanken ins biblische Samarien. Heute heißt die Stadt Nablus und liegt mitten im Westjordanland - einer der Konfliktherde für das gegenwärtige Kriegsdielemma. Der Dialog Jesu mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen hat ja unendlich viele interessante Aspekte, aber einer davon zeigt, dass die religiöse Überheblichkeit von Religionen und Konfessionen ein uraltes Problem im Umgang der Menschen miteinander ist. Der (nicht-)Umgang von Juden und Samaritern, und die Frage, wer wo und wie in rechter Weise zu Gott betet, bestimmt einen Teil des Gesprächs der beiden. Aber es wendet sich, als Jesus ihr klar macht, dass diese menschlichen Empfindlichkeiten doch vollkommen egal sind im Vergleich zu der Tatsache, dass Gott sich jedem Menschen zuwendet. Dass er jeden Menschen bedenkt, beschenkt und segnet, der ihn nicht oberflächlich, sondern aus der Tiefe des Herzens her zu begreifen versucht.
Auf den Versuch kommt es an. Auf den ehrlichen Wunsch, Gott kennenzulernen, ihn zu erfahren und mit dem Herzen zu erfassen, auch wenn der Kopf und die Vernunft noch nicht soweit ist.
Leider läßt sich mit dieser Einsicht der Krieg im Nahen Osten nicht beenden und das Hauen und Stechen der überheblich Starken gegen die Anderen geht weiter. Aber wenn wir wenigstens hier vor Ort schonmal anfangen, dem Frieden im Kleinen nachzujagen - aus der Überzeugung, dass Menschen vor Gott eigentlich nur fair und friedlich miteinander umgehen - dann leisten wir einen Beitrag zum Frieden. Einen kleinen und ganz persönlichen Beitrag.
Aber ist es nicht so, dass Großes immer aus dem Kleinen entsteht? Deshalb lohnt der Vorsatz, diesen Gedanken umzusetzen. Vielleicht geht er mit Ihnen und Euch in die kommende Woche. Da gibt es garantiert Gelegenheit, ihn wirken zu lassen und anzuwenden - und sei es gegenüber meinem "Nächsten", der mit mir unter einem Dach wohnt...
Also, Zuversicht und Segen für die kommende Woche, die dritte in der Fastenzeit, die uns auf Ostern vorbereiten will.
Gesegneten Sonntag allerseits,
wünscht Ihr und Euer Pastor Stefan Dumont
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