Zur Diskussion um den Eintritt für den Kirchenbesuch

Wer in diesen Wochen unterwegs ist, wird garantiert - wo auch immer - mal in eine Kirche hineingehen. Das machen wir Menschen auch deshalb gewohnheitsmäßig so, weil wir wissen, dass dort die Türen offen stehen und man für ein paar Minuten in einen Raum zwischen Himmel und Erde eintreten kann. Mancher empfindet Freude an der Architektur und der Kunst. Wer sich drauf einläßt, spüret wirklich auch den "spiritus loci", den Geist dieses Ortes, der uns im guten Sinne mit dem Himmel in Verbindung zu bringen vermag.
Nun wallt ja schon seit einigen Wochen die Diskussion um den Kölner Dom hin und her, in dem man seit vergangenem Mittwoch nur noch mit einem Eintrittsticket in Höhe von 12 Euro eintreten kann. Es muss draussen gekauft oder vorher online gebucht werden.
Hinz und Kunz wurden von den Medien dazu befragt, Menschen auf der Domplatte, Kölner Originale, und meistens auch Leute, die wahrscheinlich längst ihren kirchlichen Solidaritätsbeitrag in Form von Kirchensteuer eingestellt haben. Viele sind natürlich dagegen, den Einritt zu erheben, damit die täglichen Kosten der Domunterhaltung von 44.000 Euro (16 Mio im Jahr) finanziert werden können.
Ich finde den Schritt der Kölner mutig, aber wohl auch im besten Sinne des Wortes "Not-wendig". Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Im Übrigen ist Köln ja längst nicht der erste Dom. Die Berliner erheben für den (evangelischen) Dom ja auch schon seit vielen Jahren Eintrittsgelder. Kann man so und so sehen... Es wird ein Streitpunkt bleiben.
Auf jeden Fall ist aber der Gottesdienstbesuch immer frei, und wer zwischendurch wirklich zum Gebet in den Dom will, oder wer "nur ein Kerzchen aufstellen" mag, der kommt über das dem Hauptbahnhof zugewandte Nordportal immer kostenfrei rein - und steht direkt bei der Gottesmutter und am Kerzenständer.
Apropos Kerzen...
Die Opferkerzen in der Bopparder Basilika waren ja auch eine ganze Zeit lang recht umstritten, nachdem wir das System der Plastikbecher umgestellt haben und die kleinen Wachskegel anbieten, die man nur ins leere Glas stecken muss. Mittlerweile hat sich das Systemn etabliert und wird gut angenommen. Diese Opferlichtständer helfen uns in Boppard, die Kirchen auch in Zukunft eintrittsfrei zu halten. Mit dem Erlös der Opferkerzen bezahlen wir mittlerweile schon einen großen Teil der Betriebskosten von Basilika und Karmeliterkirche, die natürlich nicht so hoch sind, wie im Kölner Dom, aber dennoch zu Buche schlagen. Dass gerade die Basilika jetzt im Sommer ein von Touristen geschätzter kühler Ort ist, merken wir eben vor allem auch am Bedarf an Opferkerzen. Jede einzelne, die jemand bezahlt und entzündet, bringt den Menschen in ein kurzes stilles Gebet, und unserer Gemeinde ein paar Cent für den Betriebsunterhalt der Kirchen. Dazu zählt nicht nur Strom und Gas. Immer dann, wenn z.B. Dachschiefer lose sind, und auf Personen fallen könnten, müssen wir einen großen organisatorischen Aufwand betreiben , um die 2 oder drei Schiefer aus der Rinne zu holen oder wieder zu befestigen. Das gehört einfach dazu, ist aber ein gutes Beispiel dafür, wofür wir eben auch Gelder brauchen, um das Wahrzeichen der Stadt zu pflegen und zu erhalten.
Also. Der Himmel hat keine Drehkreuze! Der Himmel an sich kostet kein Geld, nur meine Aufmerksamkeit für Gott und sein Wohlwollen für mich.
Was wirklich Geld kostet, sind die großartigen Orte und Räume, die uns die Vorfahren zum Geschenk gemacht haben, damit auch wir in ihnen etwas "vom Besonderen des Himmels" spüren können und sie gleichzeitig bewahren - damit genau dies auch noch der nächsten Generation möglich ist. Wir können mit Fug und Recht stolz auf dieses Erbe sein - aber wir müssen auch was dafür tun. Ein Kerzchen in der KIrche hilft schonmal ein klein wenig...
EInen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen und Euch von Herzen,
Pastor Stefan Dumont
