Von der Kunst des Genug :Gottesdienst zum Bopparder Weinfest


Den roten Faden des Gottesdienstes bildete die Predigt von Pastor Dumont. Ausgehend von der diesjährigen Weinernte – gute Qualität, aber eine geringere Menge – stellte er ein kleines, für unsere Zeit ungewohntes Wort in den Mittelpunkt: „weniger“. Eine Gesellschaft, die sich an Wachstum, Steigerung und immer neue Möglichkeiten gewöhnt habe, empfinde weniger schnell als Mangel oder Krise. Die Bibel dagegen kenne fette und magere Jahre – und frage danach, wie Menschen verantwortlich mit dem umgehen, was ihnen anvertraut ist.
Mit der Geschichte Josefs, dem biblischen Sabbatjahr und dem Bild vom Weinstock spannte Dumont den Bogen von der Verantwortung für kommende Zeiten bis zur Dankbarkeit für das, was dennoch gewachsen ist. Erntedank bedeute nicht, Schwieriges schönzureden, sondern das Gute bewusst wahrzunehmen: die Frucht der Arbeit, die Landschaft, den Rhein, die Erde – und einen guten Schluck Wein nicht für selbstverständlich zu halten.
Vielleicht, so die zentrale Botschaft, müsse eine Gesellschaft neu lernen zu sagen: „Es ist genug.“ Genug bedeute nicht Mangel, sondern die Fähigkeit, sich zu freuen, zu genießen und zugleich etwas übrig zu lassen – für andere, für morgen und für die nächste Generation.
Am Ende blieb dieser Gedanke nicht nur ein schönes Bild. Tatsächlich hielten die Gottesdienstbesucher ein Glas Bopparder Wein in der Hand und stießen miteinander an: auf Erntedank, auf das Weinfest, auf das Leben – und auf die „Kunst des Genug“.

